Sergej Rachmaninow: Маргаритки - Gänseblümchen
„Маргаритки“ („Gänseblümchen“), Op. 38 Nr. 3, gehört zu Sergei Rachmaninows letzten Liedern aus dem Jahr 1916. Es ist Teil des Zyklus Sechs Romanzen Op. 38 und vertont ein Gedicht von Igor Severyanin. Dieses Miniaturlied in Des-Dur verbindet tänzerische Leichtigkeit mit feinem Melancholieton – eine späte Blüte russischer Lyrik zwischen Impressionismus und Abschiedsstimmung.
Inhaltsverzeichnis
Der Vers (Igor Severyanin – russisch / deutsche Übersetzung)
Русский текст:
Мы любим – вот почему весной
Так ярко светит солнце в небе синем,
И на лугáх, где ветер молодой,
Цветут маргаритки над земным покровом синим.
Deutsche Übersetzung (nach Severyanin):
Wir lieben – darum leuchtet Frühling wieder,
so hell das blaue Himmelszelt!
Auf Wiesen blühn die Gänseblümchen nieder,
und alles strahlt – wie liebend diese Welt.
Text: Igor Severyanin (1887–1941); freie deutsche Nachdichtung. Rachmaninow op. 38 Nr. 3 (1916).
Werkdaten & Überblick
- Komponist: Sergei Rachmaninow (1873–1943)
- Zyklus: 6 Romanzen op. 38 – Nr. 3 Маргаритки / Gänseblümchen
- Textvorlage: Igor Severyanin
- Komposition: 1916 (Moskau); Erstdruck 1917 bei Gutheil
- Tonart / Takt / Tempo: Des-Dur, 3/4, Allegretto moderato / Leggiero
- Dauer: ca. 2 Minuten
- Besetzung: Singstimme und Klavier
- Form: A–B–A′ (Liedform) mit fließender Sequenzierung und pastellener Klangwirkung
Entstehung & Kontext
Die Sechs Romanzen Op. 38 entstanden 1916 als letzter vollständiger Liederzyklus Rachmaninows, kurz vor seiner Emigration. Die Gedichte von Igor Severyanin gehören zur russischen Symbolistenbewegung. „Маргаритки“ spiegelt eine schwebende Heiterkeit mit einem Hauch von Abschied – Licht, das im Moment des Untergangs am hellsten leuchtet.
Aufführungspraxis & Rezeption
Gesang: Leicht, beweglich, nicht operatisch. Text artikulieren wie Gespräch; die Linie folgt dem Rhythmus des „Gehens über Wiesen“.
Klavier: Federnde Begleitfiguren (gebrochene Akkorde, Triolen) mit heller Klangbalance; Pedal zurückhaltend, um die Luftigkeit zu bewahren.
Rezeption: „Маргаритки“ ist seltener als „Сирень“, gilt aber unter Kennern als Kleinod später russischer Vokal-Miniatur; ein Vorgeschmack auf Rachmaninows impressionistische Klangsprache der letzten Jahre.
Referenzaufnahmen (Auswahl)
- Anna Netrebko / Daniel Barenboim
- Olga Borodina / Dmitri Alexeev
- Dmitri Hvorostovsky / Ivari Ilja
- Sergei Leiferkus / Malcolm Martineau
Analyse – Musik
Rachmaninow verbindet in „Маргаритки“ tänzerische Dreierbewegung mit chromatischer Farbigkeit. Die Begleitung zeichnet blühende Bewegung in gebrochenen Akkorden; die Melodie entfaltet sich in Terz- und Sextschritten, die hellen Blütenblättern gleichen. Der harmonische Verlauf durchstreift Des–H–Es–As, wobei kurze dunkle Trübungen die Idylle durchziehen. Das Lied endet in leuchtender Ruhe.
Analyse – Dichtung
Severyanins Text spricht vom Frühling als Metapher der Liebe und Bejahung des Lebens. Die Gänseblümchen symbolisieren Unschuld und Vergänglichkeit zugleich – ein Motiv, das Rachmaninow in seinen späten Liedern häufig aufgreift. Der Ton bleibt heiter, doch unterlegt von melancholischer Erkenntnis: Schönheit ist Moment, nicht Besitz.
Aussage & Wirkung
„Маргаритки“ ist eine Miniatur des Lächelns im Abschied. Rachmaninow übersetzt das Licht des Frühlings in Klang: leicht, durchsichtig, doch voll Sehnsucht. Es zeigt den Komponisten an der Grenze zwischen romantischer Lyrik und moderner Klangmalerei.
Evgenia Fölsche – Aufführungen & Audio
Evgenia Fölsche gestaltet das Lied mit luftigem Tempo und feiner Agogik: Jede Phrase blüht kurz auf und verweht – ein Duft, kein Gestus. Das Klavier flirrt leicht, der Gesang schwebt darüber in pastellener Klarheit.
Hörbeispiel: Audio/Video-Link hier ergänzen
FAQ – Rachmaninow: „Маргаритки“ / „Gänseblümchen“ Op. 38 Nr. 3
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Zu welchem Zyklus gehört „Маргаритки“?
Zum späten Zyklus 6 Romanzen Op. 38 (1916); „Маргаритки“ ist Nr. 3.
Welche Tonart und welches Tempo prägen das Lied?
Des-Dur, 3/4 Allegretto moderato / Leggiero – ein heller, tänzerischer Gestus mit leichter Melancholie.
Wodurch unterscheidet sich Op. 38 von den früheren Liedern Rachmaninows?
Durch transparentere Texturen und impressionistische Klangfarben. Op. 38 zeigt eine innere Distanz und eine neue harmonische Raffinesse im Spätstil.