Franz Schubert: Die Forelle

„Die Forelle“, Op. 32, D 550, ist eines der bekanntesten Lieder Franz Schuberts auf einen Text von Christian Friedrich Daniel Schubart. Das Bild vom munteren Fisch im klaren Bach, der durch eine listige Trübung gefangen wird, entfaltet sich als kleine Parabel über Unschuld, List und Verführung. Schubert zeichnet das Wasser in fließenden Figuren und verwandelt die Szene in einen reizvollen Miniatur-Erzählbogen, dessen Melodie später das Thema des „Forellenquintetts“ (D 667) wurde.

Der Vers (Schubart – moderne Orthographie)

Gedicht „Die Forelle“ – Christian Friedrich Daniel Schubart

In einem Bächlein helle,
da schoß in froher Eil
die launische Forelle
vorüber wie ein Pfeil.
Ich stand an dem Gestade
und sah in süßer Ruh’
des muntern Fischleins Bade
im klaren Bächlein zu.

Ein Fischer mit der Rute
wohl an dem Ufer stand
und sah’s mit kaltem Blute,
wie sich das Fischlein wand.
So lang dem Wasser Helle,
so dacht’ ich, nicht gebricht,
so fängt er die Forelle
mit seiner Angel nicht.

Doch endlich ward dem Diebe
die Zeit zu lang. Er macht’
das Bächlein tückisch trübe,
und eh’ ich es gedacht,
so zuckt’ die Rute heftig,
das Fischlein zappelt dran;
und ich mit regem Blute
sah die Betrogne an.

Orthographie behutsam modernisiert (z. B. Apostrophe, Akzentsetzung); geläufige dreistrophige Fassung nach Schubart. Eine moralisierende Zusatzstrophe des Gedichts wird in Schuberts Vertonung nicht verwendet.

Werkdaten & Überblick

  • Komponist: Franz Schubert (1797–1828)
  • Opus/Titel: Die Forelle Op. 32, D 550
  • Textvorlage: Christian Friedrich Daniel Schubart (1739–1791)
  • Komposition: 1817; Erstdruck 1821
  • Tonart / Takt / Tempo: häufig D♭-Dur (Ausgaben auch in D-Dur), 2/4, Vortragsgestus fließend, lebhaft
  • Dauer: ca. 2–3 Minuten
  • Besetzung: Singstimme und Klavier (Transpositionen üblich)
  • Form: variierte Strophik (3 Strophen) mit charakterlicher Zuspitzung in Strophe 3

Daten zum Vers

  • Autor: C. F. D. Schubart
  • Strophenform: 3 Strophen à 8 Verse; vierhebiger Jambus, Kreuzreim
  • Stilmittel: Naturbild als Gleichnis, Antithese (hell/trüb), Personifikation, moralische Pointe (List vs. Unschuld)

Entstehung & Kontext

Schubert komponierte „Die Forelle“ 1817, in einer Phase intensiven Liedschaffens. Das Stück wurde bald zu einem beliebten Albumblatt und erlangte zusätzliche Berühmtheit, als Schubert die Melodie im 4. Satz (Thema mit Variationen) des Klavierquintetts A-Dur D 667 („Forellenquintett“) variierte.

Die Gedichtvorlage von Schubart dient nicht nur als launige Erzählung, sondern als moralisches Gleichnis – ein Subtext, den Schubert musikalisch subtil entfaltet, ohne ins Lehrhafte zu kippen.

Aufführungspraxis & Rezeption

Puls & Diktion: federnder 2/4-Gang mit klarer Textartikulation; Konsonanten weich gebunden, Vokale hell geführt. „Erzählstimme“ statt Opernpathetik.

Klavierbild: stetige, wasserartige Figuration (Sechzehntel-Wellen) – Tragefläche für die Stimme, nicht Solovertikal. Pedal schlank, damit die „Transparenz des Bachs“ erhalten bleibt; Trübungsstelle (Strophe 3) farblich, aber ohne Härte.

Rezeption: Eines der populärsten Schubert-Lieder; als Solo-Stück wie als thematischer Bezug im „Forellenquintett“ fester Teil des Konzertrepertoires.

Referenzaufnahmen (Auswahl)

  • Elly Ameling – Dalton Baldwin
  • Dietrich Fischer-Dieskau – Gerald Moore
  • Ian Bostridge – Julius Drake
  • Christoph Prégardien – Michael Gees

Analyse – Musik

Bachbild & Begleitfigur

Die rechte Hand des Klaviers zeichnet das „Wasser“ in kontinuierlichen, perligen Bewegungen; kurze Akzente markieren das schnelle Huschen der Forelle. Die linke Hand stabilisiert mit leichten Grundschlägen – nie schwer, stets elastisch.

Variierte Strophik & Pointe

Strophe 1 ist hell und unbeschwert; Strophe 2 bringt Beobachter-Ironie („kaltem Blute“). In Strophe 3 färbt Schubert Harmonik und Artikulation dunkler („tückisch trübe“) und setzt kleine Verdichtungen, bevor die Schlusswendung die Pointe knapp und ohne moralisierende Schwere setzt.

Analyse – Dichtung

Schubarts Text nutzt die idyllische Szenerie als Gleichnis: Die Klarheit des Bachs steht für Unschuld und Durchsichtigkeit; die Trübung als List ermöglicht den Fang. Der moralische Subtext (Vorsicht vor trügerischer List) bleibt in Schuberts Vertonung präsent, aber ästhetisch gebändigt.

Aussage & Wirkung

„Die Forelle“ ist ein Musterbeispiel für Schuberts Fähigkeit, Erzählung, Naturbild und musikalische Metapher zu verschmelzen. Das Lied wirkt als heiteres Genrebild – und zugleich als zarte Reflexion über Wahrnehmung, Unschuld und Manipulation.

Evgenia Fölsche – Aufführungen & Audio

Pianistin Evgenia Fölsche hält die Wasserfigur transparent und flexibel; die Stimme erzählt mit hellem Timbre und klaren Konsonanten. Die „Trübungsstelle“ wird farblich verdichtet, ohne den Fluss zu brechen – am Ende ein leiser, fast schelmischer Schimmer.

Hörbeispiel: Audio/Video-Link hier ergänzen

Zur Partitur (IMSLP)

Häufige Fragen zu Schubert: „Die Forelle“ Op. 32 (D 550)

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Wer schrieb den Text von „Die Forelle“?

Christian Friedrich Daniel Schubart (1739–1791).

Welche Tonart und welcher Takt sind üblich?

Häufig D♭-Dur (auch D-Dur in Ausgaben), 2/4 mit fließender, perliger Begleitfigur.

Welcher Bezug besteht zum „Forellenquintett“?

Die Liedmelodie dient als Thema der Variationen im 4. Satz des Klavierquintetts A-Dur D 667 („Forellenquintett“).