Richard Strauss: Kornblumen
„Kornblumen“, Op. 22 Nr. 1, eröffnet Richard Strauss’ Liedgruppe Sechs Lieder Op. 22 (1888, Text Felix Dahn). In schwebendem 6/8-Puls entfaltet sich eine duftige Sommerlandschaft zwischen Volksliednähe und spätromantischer Harmonie. Das Stück verbindet zarte Pastellfarben mit jugendlicher Leidenschaft – eine frühe Studie für Strauss’ spätere lyrische Klangwelt.
Inhaltsverzeichnis
Der Vers (Felix Dahn – moderne Orthographie)
„Kornblumen“ – Felix Dahn
Am Wege blüh’n die Kornblumen,
So blau, wie deine Augen sind;
Ich wollt’, ich könnt’ sie pflücken dir,
Mein liebes, süßes Kind!
Doch wenn ich pflück’ die Kornblumen,
Dann welken deine Augen blau;
So lass sie blüh’n am Wege dort
Und schau mich freundlich an genau!
Text nach Felix Dahn (1834–1912), modernisierte Zeichensetzung; Volksliedhafte Zwei-Strophen-Form.
Werkdaten & Überblick
- Komponist: Richard Strauss (1864–1949)
- Opus/Titel: Sechs Lieder Op. 22 – Nr. 1 Kornblumen
- Textvorlage: Felix Dahn
- Komposition & Druck: 1888 (München / Berlin, Simrock 1889)
- Tonart / Takt / Tempo: F-Dur (Original), 6/8, Vortragsangabe Ruhig fließend
- Dauer: ca. 2 Minuten
- Besetzung: Singstimme und Klavier
- Form: zweistrophig – variierte Strophik mit aufblühender Reprise
Entstehung & Kontext
Die Sechs Lieder Op. 22 entstanden 1888, im Übergang vom spätromantischen Jugendstil zum gereiften Liedkomponisten Strauss. „Kornblumen“ zeigt die helle Seite dieser Phase: lyrisch, duftig, mit leichter Volkslied-Anmutung. Felix Dahns Text erlaubt Strauss eine musikalische Miniatur zwischen Schlichtheit und kunstvoller Klangmischung.
Aufführungspraxis & Rezeption
Gesang: Leicht, sprechmelodisch, fast liedhaft; Vibrato sparsam, Klang hell geführt. „Fließend“ meint nicht Eile, sondern sanft strömende Phrasen.
Klavier: Arpeggierte Bewegung in 6/8, mildes Pedal; Dynamik atmet mit der Stimme. Zweite Strophe etwas intensiver – aber nicht dramatisch.
Rezeption: Das Lied gilt als eines der populärsten frühen Strauss-Lieder; es erscheint oft gemeinsam mit den anderen Op. 22-Stücken (Ständchen, Allerseelen).
Referenzaufnahmen (Auswahl)
- Elisabeth Schwarzkopf / Gerald Moore
- Diana Damrau / Helmut Deutsch
- Jessye Norman / Geoffrey Parsons
- Christiane Karg / Malcolm Martineau
Analyse – Musik
„Kornblumen“ ist eine Liedminiatur zwischen Volkslied und Salonpoesie: Die Begleitung trägt einen schwingenden 6/8-Puls mit regelmäßiger Bass-Arpeggierung, darüber eine bewegliche Gesangslinie. Strauss spielt mit Parallel-Terzen, aufblühenden Sekund-Sequenzen und hellen Dominantverläufen. Das Ende verbleibt in sanfter Klarheit – kein Pathetismus, sondern duftiges Verlöschen.
Analyse – Dichtung
Felix Dahns Text spielt mit einem romantischen Topos: die Kornblume als Metapher für Augenfarbe und Treue. Die zweite Strophe spiegelt reflektierte Zärtlichkeit – das Pflücken würde die Schönheit zerstören. Strauss deutet dies musikalisch als Abwägen zwischen Begehren und Bewahrung.
Aussage & Wirkung
Ein Lied über die Balance zwischen Natur und Zärtlichkeit: Blick, Farbe, Schwingung. Strauss’ Lyrismus erblüht hier in feiner Ökonomie – ein Vorschein seiner späteren Vier letzten Lieder in Miniaturform.
Evgenia Fölsche – Aufführungen & Audio
Pianistin Evgenia Fölsche gestaltet das Lied mit zartem Bogen und transparentem 6/8-Fluss; die Stimme leuchtet in heller Klarheit, jedes „blau“ ein Farbmoment. Der Schluss verblasst wie eine Sommerblume im Abendlicht.
Hörbeispiel: Audio/Video-Link hier ergänzen
FAQ – Richard Strauss: „Kornblumen“ Op. 22 Nr. 1
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Zu welchem Opus gehört das Lied?
Zu den Sechs Liedern Op. 22 (1888), Nr. 1 Kornblumen; Text Felix Dahn.
Welche Tonart und Taktart hat es?
F-Dur, 6/8, Tempo Ruhig fließend.
Ist das Lied strophisch?
Ja, zweistrophig mit leichter Variation in Harmonik und Klangfarbe – eine variierte Strophik.