Richard Strauss: Ständchen

„Ständchen“, Op. 17 Nr. 2 (TrV 149/II), gehört zu Richard Strauss’ Sechs Liedern op. 17 (Texte: Adolf Friedrich von Schack). Am 22. Dezember 1886 in München komponiert, wurde die Sammlung 1888 bei D. Rahter erstveröffentlicht. Das Lied entfaltet in 6/8 mit schimmernder Klavierfigur eine heimliche nächtliche Szene – vom Flüsterton bis zur aufglühenden Ekstase.

Der Vers (Adolf Friedrich von Schack – moderne Orthographie)

„Ständchen“ – aus: Liebesgedichte und Lieder (1866)

Mach auf, mach auf, doch leise, mein Kind,
dass keiner vom Schlummer erwache;
Kaum murmelt der Bach, kaum zittert im Wind
ein Blatt an Busch und Hage.
Drum leise, mein Mädchen, dass nichts sich regt,
nur leise die Hand auf die Klinke gelegt.

Mit Tritten, wie Tritte der Elfen so sacht,
um über die Blumen zu hüpfen,
Flieg’ leicht hinaus in die Mondscheinnacht,
zu mir in den Garten zu schlüpfen.
Rings schlummern die Blüten am rieselnden Bach
und duften im Schlaf – nur die Liebe ist wach.

Sitz’ nieder! Hier dämmert’s geheimnisvoll
unter den Lindenbäumen;
die Nachtigall uns zu Häupten soll
von unsern Küssen träumen,
und die Rose, wenn sie am Morgen erwacht,
hoch glüh’n von den Wonnenschauern der Nacht.

Text in behutsam modernisierter Zeichensetzung (Variante „über die Blumen zu hüpfen“ nach Schack); Public Domain.

Werkdaten & Überblick

  • Komponist: Richard Strauss (1864–1949)
  • Opus/Katalog: Sechs Lieder Op. 17 – Nr. 2; TrV 149/II
  • Textvorlage: Adolf Friedrich von Schack (1815–1894)
  • Komposition: 22. Dezember 1886 (München); Erstdruck: 1888 (D. Rahter, Hamburg)
  • Tonart / Takt / Tempo: Original häufig in Fis-Dur überliefert; zahlreiche Transpositionen (z. B. D-Dur, Des-Dur, Es-Dur) im Druck; 6/8, lebhaft bewegter Serenadenpuls.
  • Dauer: ca. 2½–3 Minuten
  • Besetzung: Singstimme und Klavier; orchestriert 1895 (Felix Mottl, später veröffentlicht)
  • Form: durchkomponierte Szene mit Refrainmomenten („nur die Liebe ist wach“) und Kulmination auf „hoch glüh’n“

Entstehung & Kontext

„Ständchen“ ist das populärste Lied aus Strauss’ Schack-Gruppe Op. 17. Der Erfolg führte früh zu Bearbeitungen (u. a. Godowsky für Klavier solo; Orchesterfassung von Felix Mottl). Entstehungsdatum, Dichter und Zugehörigkeit zu Op. 17 sind dokumentiert; der Erstdruck erschien 1888 bei D. Rahter. :contentReference[oaicite:0]{index=0}

Aufführungspraxis & Rezeption

Gesang: Beginn im mezzovoce, gedeckte Helle; Konsonanten weich gebunden (heimlich/leis’). Steigerung zielgerichtet auf „hoch glüh’n“ (nicht breit, sondern strahlend).

Klavier: Perlende 6/8-Arpeggien als Lichtteppich (keine harte Artikulation). Pedal schlank schattieren; Bassbewegung klar konturieren.

Rezeption: Seit 1889 regelmäßig im Konzert; Mottls Orchestrierung machte das Lied zusätzlich populär. :contentReference[oaicite:1]{index=1}

Referenzaufnahmen (Auswahl)

  • Elisabeth Schwarzkopf – Gerald Moore
  • Diana Damrau – Helmut Deutsch
  • Jessye Norman – Geoffrey Parsons
  • Sabine Devieilhe – Mathieu Pordoy

Analyse – Musik

Die Begleitung zeichnet das heimliche Schreiten/Schimmern der Nacht (arpeggierter 6/8-Fluss). Die Melodie spannt sich in langen, atmenden Bögen; textnahes Crescendo kulminiert auf „Wonnenschauern“. Kurze Ruheinseln („nur die Liebe ist wach“) rahmen die Szene – Wiedererkennungsmarker im durchkomponierten Verlauf.

Analyse – Dichtung

Schacks Strophen führen vom Ruf („mach auf“) über die Annäherung („Mondscheinnacht“) zur Erfüllung (Nachtigall/Rose). Der nächtliche Code: Leise als Ethik des Begehrens. Strauss übernimmt die Blickführung – Klang wird Flüstern, Duft, Glanz.

Aussage & Wirkung

„Ständchen“ ist Licht in Bewegung: eine Liebesszene ohne Pathos, aber mit maximalem Leuchten. Es zeigt den jungen Strauss als Meister der psychologischen Miniatur.

Evgenia Fölsche – Aufführungen & Audio

Evgenia Fölsche hält den Puls federnd; das Crescendo bleibt schmal, die Spitze frei. Der Schluss glüht – und verlischt im Atem.

Hörbeispiel: Audio/Video-Link hier ergänzen

Zur Partitur (IMSLP) Werkinfo

FAQ – Richard Strauss: „Ständchen“ Op. 17 Nr. 2

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Zu welchem Opus gehört „Ständchen“ – und wer ist der Dichter?

Zu den Sechs Liedern Op. 17 (TrV 149); Text: Adolf Friedrich von Schack. :contentReference[oaicite:2]{index=2}

Wann komponiert, wann veröffentlicht?

Komponiert am 22. Dezember 1886 in München; Erstdruck 1888 bei D. Rahter (Hamburg). :contentReference[oaicite:3]{index=3}

Welche Tonarten kursieren in den Ausgaben?

Originalüberlieferung häufig in Fis-Dur; praktische Ausgaben bieten u. a. D-Dur, Des-Dur, Es-Dur für verschiedene Lagen. :contentReference[oaicite:4]{index=4}

Gibt es Bearbeitungen?

Ja: Orchestrierung von Felix Mottl (1895, publ. 1912) sowie Klavier-Solo (Godowsky). :contentReference[oaicite:5]{index=5}