Sergej Rachmaninow - Das Klavierlied

Sergei Rachmaninow (1873–1943) verbindet in seinen Liedern spätromantische Tiefe mit russischer Sprachmelodik. Zwischen Tschaikowskys Lyrismus und der Moderne formt er innere Zustände: Erinnerung, Stille, Fernweh. Rund 80 Romanzen – von den frühen op. 4 bis zu den späten op. 38 – bilden eine poetische Klangwelt zwischen Traum und Verlust. Auf dieser Website sind ausgewählte Lieder mit Text, Werkdaten, Analysen und Aufführungshinweisen dokumentiert.

Komponistenprofil & Ästhetik

Rachmaninows Liedkunst ist instrumental gedacht: die Stimme wird zum Teil des harmonischen Ganzen. Seine Melodien atmen lang, mit kaum merklicher Agogik; die Harmonik schimmert in weichen Medianten. Die russische Sprache prägt Rhythmus und Tonfall: Konsonanten sind Musik, Vokale Resonanz. Sentiment, aber nie Süße – das ist sein Maß der Innerlichkeit.

Werklandschaft – Romanzen & Themen

  • Frühe Zyklen: 6 Romanzen op. 4 (1893) und 6 Romanzen op. 8 (1893–94) – junge Melancholie, orientalisches Kolorit, erste Stimmungsräume.
  • Reife Phase: 12 Romanzen op. 14 und 12 Romanzen op. 21 – Konzentration, weite Linien, Meditation über Erinnerung.
  • Spätwerk: 6 Romanzen op. 34 und 6 Romanzen op. 38 – harmonische Verdichtung, seelische Abstraktion, impressionistische Lichtfarben.
  • Leitmotive: Traum, Erinnerung, Natur, Stille, Fernweh – und die Stimme als inneres Echo des Klaviers.

Zyklen & Dichter

Rachmaninows Liedwerk gliedert sich in sechs zentrale Sammlungen (Romanzen), die jeweils eine eigene thematische und sprachliche Atmosphäre entfalten:

Viele dieser Texte stammen von Dichtern der russischen Spätromantik (Puschkin, Fet, Galina, Lochwizkaja) und bewegen sich zwischen Naturbild, Traum und Erinnerung – die menschliche Stimme als seelischer Raum.

Ausgewählte Romanzen – Überblick & Links

Aufführungspraxis – Sprache, Klang & Stil

  • Sprache: Russische Diktion trägt den Rhythmus – keine Exotik, sondern Innenklang. Jede Silbe soll schwingen.
  • Stimme: Kein Opernton, sondern cantabile parlando; Spannung entsteht aus Atemführung, nicht Lautstärke.
  • Klavier: Klangraum statt Begleitung – der Pianist „atmet“ mit. Pedal fein differenzieren, Resonanzen gestalten.
  • Stil: Empfindung durch Zurücknahme. Rachmaninow spricht in Stille, Klangfarbe und Zeit.

Hören & Aufnahmen (Auswahl)

  • Dmitri Hvorostovsky / Ivari Ilja
  • Sergei Leiferkus / Malcolm Martineau
  • Anna Netrebko / Daniel Barenboim
  • Olga Borodina / Dmitri Yefimov
  • Instrumentaltranskriptionen: Arcadi Volodos, Earl Wild

FAQ – Sergei Rachmaninow & seine Lieder

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Wie gliedert sich Rachmaninows Liedwerk?

In sechs offizielle Zyklen: op. 4, op. 8, op. 14, op. 21, op. 34 und op. 38 – jeweils mit 6 bis 12 Romanzen, thematisch und harmonisch fein abgestimmt.

Welche Dichter vertonte Rachmaninow?

Puschkin, Fet, Galina, Beketova, Lochwizkaja, Balmont, Maikow u. a. – meist lyrische Stimmen des russischen Symbolismus.

Wie unterscheiden sich die Zyklen stilistisch?

Von der leidenschaftlichen Weite der frühen Romanzen zu impressionistischer Klarheit im Spätwerk. Die Stimme wird immer kammermusikalischer, das Klavier orchestraler im Klang.

Welches Lied eignet sich als Einstieg?

„Здесь хорошо“ („Hier ist es schön“) gilt als idealer Zugang – ruhig, transparent, von zeitloser Schönheit.