Domenico Scarlatti Klaviersonate K141
Domenico Scarlatti – Klaviersonaten:
Domenico Scarlatti: Sonate K. 141 d-Moll (L. 422) zählt zu den spektakulärsten Stücken aus den Essercizi per gravicembalo (1738). Berühmt ist sie für ihre rauschhaften Repetitionen, die wie Gitarrenanschläge oder Trommelwirbel wirken, und für ihre elektrisierende Motorik. In wenigen Minuten entsteht eine konzentrierte Studie über Bewegung, Puls und klangliche Architektur – ein Prüfstein barocker Virtuosität auf Cembalo und modernem Klavier.
Inhalt
Werkdaten und Form
Basisdaten
- Komponist: Domenico Scarlatti (1685–1757)
- Titel: Sonate d-Moll K. 141 (Kirkpatrick), L. 422 (Longo)
- Quelle: Essercizi per gravicembalo (London, 1738)
- Tempo/Charakter: Allegro – motorisch, brillant, perkussiv
- Taktart: 3/8
- Besetzung: Cembalo; auf dem modernen Klavier mit stilgerechter Artikulation
- Dauer: ca. 4–5 Minuten
- Besonderheit: durchgehende Repetitionen, iberischer Gestus (Gitarre/Kastagnetten-Assoziationen)
Form & Struktur
Klassische Zweiteilige Form (Binary) mit Wiederholungen: A‖: :‖B. Der A-Teil exponiert das Repetitionsmotiv in d-Moll und moduliert zur Dominante A; der B-Teil entwickelt Sequenzen, Laufwerk und Echoeffekte, führt durch benachbarte Tonräume und kehrt mit gespannter Dominantik nach d-Moll zurück. Die Wiederholungen sind rhetorisch essenziell: Sie laden die Energie auf, statt zu „wiederholen“.
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Entstehung & Quellen
Lebenssituation & Kontext
Um 1738 wirkte Scarlatti als Cembalovirtuose und Lehrer der späteren spanischen Königin Maria Barbara in Lissabon/Madrid. Die Essercizi dokumentieren seine innovative Instrumentenbehandlung: Repetitionen, übergreifende Figuren, perkussive Effekte. K. 141 gilt als Paradebeispiel für diesen „iberischen“ Scarlatti – rhythmisch scharf, tänzerisch, von Gitarrenrhythmen inspiriert.
Essercizi & Überlieferung
- Erstdruck: London 1738 (Essercizi per gravicembalo)
- Katalogisierung: Kirkpatrick 141 = Longo 422
- Quellenlage: Erstdruck und zeitnahe Kopien; Differenzen betreffen v. a. Artikulation/Verzierung, nicht den Tonhöhenverlauf.
Aufführung & Rezeption
Seit dem 20. Jahrhundert ist K. 141 ein Fixpunkt des Repertoires. Auf dem Cembalo überzeugt sie durch federnde Leichtigkeit; auf dem Flügel wirkt sie wie eine komprimierte Etüde der Gleichmäßigkeit und Ausdauer. Legendäre Interpretationen (u. a. Horowitz, Argerich, Scott Ross) prägten die Wahrnehmung als „Feuertanz“ Scarlattis.
Referenzaufnahmen (Auswahl)
- Vladimir Horowitz – hochtourig, architektonisch
- Martha Argerich – elektrisierende Live-Spannung
- Ivo Pogorelich – kontrollierte Präzision
- Scott Ross (Cembalo) – texttreu, stilbildend
- Pierre Hantaï (Cembalo) – tänzerisch differenziert
Musiktheoretische Analyse
Form & Dramaturgie
A-Teil: Repetitionsketten in Ober- und Unterstimme, synkopierende Bassakzente, Steigerung bis zur Dominante A. B-Teil: Sequenzen, gebrochene Oktaven, Echo-Antworten, Läufe; Rückführung nach d-Moll über gespannte Dominantik. Der Schluss wirkt wie ein knappes Ausrufezeichen – kein romantischer Nachklang, sondern pointierter Abschluss.
Harmonik & Tonartenplan
- A-Teil: d-Moll → A-Dur (V) mit Zwischendominanten
- B-Teil: Sequenzgänge über C/F/G; Re-Tonalisation zur Tonika d-Moll
- Profil: Fokus auf metrisch-rhythmische Energie; Chromatik dient der Spannung, nicht der Farbexplosion
Textur, Technik & Artikulation
- Repetitionen: feine Handgelenksrotation, lockernde Mikrobewegung; Gleichmaß ist Priorität
- Artikulation: elastisches Non-Legato mit klaren Konsonanten; keine „verschmierten“ Bindungen
- Pedal: nahezu pedalfrei; höchstens Atem-Pedal bei Sprüngen
- Balance: Stimmen ausgleichen, damit die perkussive Symmetrie hörbar bleibt
Aufführungspraxis – praktische Hinweise
- Tempo: energisch, aber nie gehetzt – Stabilität schlägt Maximalgeschwindigkeit
- Akzentik: metrische Klarheit durch leichte Mikro-Akzente an Taktanfängen
- Wiederholungen: dynamisch und artikulatorisch minimal variieren (barocke Praxis)
- Stilbild: „Cembalo-Denken“ auf dem Flügel: schlanker Klang statt romantischer Fülle
Ausdruck & Deutung
K. 141 ist Form gewordene Energie: ein Tanz der Mechanik, der Affekt nicht durch Melodie, sondern durch Rhythmus erzeugt. Manche deuten sie als Vorläufer moderner Etüdenästhetik, andere als sublimierte Anspielung auf Flamenco-Gestik und Gitarrenidiom. Entscheidend bleibt die Spannung zwischen asketischer Mittel und maximaler Wirkung.
Evgenia Fölsche – Aufführungen & Aufnahme
Pianistin Evgenia Fölsche betont in K. 141 Präzision, Transparenz und architektonische Linie. Die Repetitionsketten bleiben elastisch und gleichmäßig, der Puls atmet – so entsteht eine hochkonzentrierte, tänzerisch gespannte Lesart.
Musikeinspielung & Kontakt
Konzertanfrage
Die Sonate K. 141 von Domenico Scarlatti gehört zum Repertoire von Evgenia Fölsche und wird regelmäßig im Rahmen von Konzertengagements aufgeführt. Für Programmvorschläge, Terminabsprachen und Engagement-Anfragen nehmen Sie bitte Kontakt auf.
Konzertanfrage sendenHäufige Fragen zu Scarlatti: Sonate K. 141 d-Moll
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Was macht K. 141 so besonders?
Der ununterbrochene Repetitionsfluss, iberische Rhythmusgestik und eine pointierte Schlussdramaturgie – Virtuosität als Architektur.
Wie lang ist das Stück und wie schwer?
Ca. 4–5 Minuten; technisch sehr anspruchsvoll (Gleichmaß, Ausdauer, Präzision, synkopierte Akzente, pedalfreies Spiel).
Welche Ausgabe empfehlen Sie?
Kirkpatrick-basierte Urtexte (z. B. Henle) und Vergleich mit dem Londoner Erstdruck von 1738; editorische Zusätze klar gekennzeichnet.
Wie viel Pedal ist angemessen?
So wenig wie möglich – Transparenz und Rhythmus sind wichtiger als Klangfülle; allenfalls Atem-Pedal bei Sprüngen.
Gibt es verwandte Sonaten?
K. 96 und K. 119 (beide D-Dur) teilen die motorische, brillante Rhetorik; K. 27 zeigt die cantabile-poetische Gegenwelt.
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Quellenverzeichnis
- Essercizi per gravicembalo (London, 1738) – Erstdrucksammlung, stilistische Einordnung.
- Katalogisierung: Ralph Kirkpatrick (K-Nummern) / Alessandro Longo (L-Nummern): K. 141 = L. 422.
- Allgemeine Aufführungspraxis (Artikulation/Ornamentik/Pedal) aus Standardliteratur zur Cembalo- und Frühklavierpraxis.