Franz Liszt: Schubert Liedtranskriptionen - Auf dem Wasser zu singen

Franz Schubert: „Auf dem Wasser zu singen“ D 774, op. 72 (Text: Friedrich Leopold Graf zu Stolberg) verbindet schwebende Triolenbewegung mit einer Meditation über die verrinnende Zeit. Franz Liszt übertrug das Lied für Soloklavier (u. a. in den 12 Lieder von Franz Schubert, S. 558) und schuf daraus eine poetische, technisch anspruchsvolle Paraphrase, die den „Schwimm-/Schaukeltakt“ der Begleitung pianistisch zum Leuchten bringt. Ausführliche Hintergründe zum Original-Lied von Schubert findest du im getrennten Werkartikel; hier fokussieren wir die Klavierfassung von Liszt.

Werkdaten & Versionen

Basisdaten

  • Komponist (Lied): Franz Schubert (1797–1828)
  • Werk: „Auf dem Wasser zu singen“ D 774, op. 72 (1823)
  • Textdichter: Friedrich Leopold Graf zu Stolberg
  • Gattung: Lied (Singstimme & Klavier) – siehe Werkartikel zum Lied
  • Takt/Charakter: 6/8 (wiegend, „barcarolenhaft“), Andantino/Andante
  • Tonartenbild (Lied): häufig As-Dur (je nach Ausgabe/Transposition)
  • Dauer (Lied): ca. 4–5 Minuten

Versionen & Bearbeitungen

  • Liszt (Klavier solo): Transkription in den 12 Lieder von Franz Schubert, S. 558 (Nr. 2)
  • Weitere Fassungen: teils alternative Heftanordnungen; Zusätze variieren in Umfang/Schwierigkeit
  • Dauer (Klavierfassung): ca. 5–7 Minuten

Verwandte Artikel: Schubert: Lied „Auf dem Wasser zu singen“ (D 774)

Entstehung & Text

Schubert komponierte das Lied 1823; veröffentlicht wurde es später als op. 72. Der Gedichttext betrachtet das Verfließen der Zeit und das Hoffen auf Verklärung. Siehe vertiefend den Werkartikel zum Schubert-Lied (Text, Strophenform, Wort-Ton-Bezüge).

Aufführung & Rezeption

Das Lied gilt als Musterbeispiel für Schuberts Bild-in-Klang-Metaphern. Liszts Transkription machte es im 19. Jahrhundert in den Konzertsälen populär; moderne Lesarten oszillieren zwischen ruhiger Kontemplation und transzendierender Kulmination.

Analyse (Form, Harmonik, Klaviersatz)

Form

Strophisch mit Variation; Liszt verstärkt Übergänge/Kadenzen durch arpeggierte Überleitungen und kantable Auszierungen.

Harmonik & Tonartenplan

  • Grundtonart (häufig): As-Dur im Lied; Liszt-Ausgaben teils in As- oder G-Dur
  • Subdominantfärbungen, Zwischendominanten, chromatische Verdichtung zur Kulmination

Klaviertechnische Merkmale (Liszt)

  • gleichmäßiger 6/8-Arpeggienfluss über weite Lagen
  • Melodie-Voicing dolce cantabile über dem Wellen-Teppich
  • weite Bindungen/Überlegato; maßvolle Kadenzen

Ausdruck & Deutung

Kontemplation in Bewegung: Die Zeit verrinnt, der Gesang verwandelt sie in Trost. Liszt lässt die Wasseroberfläche klavieristisch glitzern und adelt die Vokallinie zur edlen Kantilene.

Aufführungspraxis – praktische Hinweise

  • Tempo: ruhiges Andante; der Puls trägt, nicht hetzt
  • Pedal: fein abgestuftes Halb-/Wechselpedal
  • Voicing: Melodie stets über dem Arpeggiensatz
  • Rubato: Atmen an Kadenzen; gesangliches Phrasieren

Evgenia Fölsche – Aufführungen & Aufnahme

Pianistin Evgenia Fölsche führt Liszts Bearbeitung als „gesungenes Klavierlied“: transparente Arpeggien, vokale Oberstimme, organischer Aufbau – in bewusster Bezugnahme auf das Original-Lied.

Musikeinspielung & Kontakt

→ Zur Musikeinspielung (Platzhalter-Link)

Zum Vergleich: Werkartikel zum Schubert-Lied (D 774)

Programm-Anfragen: Kontakt zu Evgenia Fölsche

FAQ – „Auf dem Wasser zu singen“

Klicken Sie auf eine Frage, um die Antwort einzublenden.

Was ist der Unterschied zwischen Schuberts Lied und Liszts Klavierfassung?

Schuberts Original (Singstimme & Klavier) erläutern wir im Lied-Artikel; Liszt überträgt die Vokallinie ins Klavier und erweitert Begleitung/Überleitungen/Kadenzen zu einer poetischen Paraphrase.

Wie schwer ist die Liszt-Fassung?

Mittlerer bis gehobener Schwierigkeitsgrad: gleichmäßige Arpeggien, cantables Voicing, sensibles Pedal, kontrolliertes Rubato.

Welche Tonart soll ich wählen?

As-Dur bewahrt Wärme und Tiefe; G-Dur klingt heller und liegt manchen Händen besser – künstlerische Entscheidung.

Welche Ausgaben sind empfehlenswert?

Urtextnahe Schubert-Ausgaben (für das Lied) und verlässliche Liszt-Editionen der Schubert-Lieder (S. 558). Unterschiede: Fingersatz, Ossia, Pedal.

Quellenverzeichnis

  1. Schubert, „Auf dem Wasser zu singen“, D 774, op. 72 – Text: F. L. zu Stolberg; Erstdrucke & kritische Ausgaben.
  2. Liszt, 12 Lieder von Franz Schubert, S. 558 – Nr. 2: „Auf dem Wasser zu singen“; Vergleich verschiedener Editionen.
  3. Standardwerke zur Liedästhetik Schubert/Liszt (Rubato, Pedal, Begleitfigur als Bildträger).