Sergej Rachmaninow : Здесь хорошо - Hier ist es schön

„Здесь хорошо“ („Hier ist es schön“), Op. 21 Nr. 7, ist eines der bekanntesten Lieder von Sergei Rachmaninow aus dem Zyklus 12 Romanzen Op. 21 (1902). Die Vertonung eines Gedichts von Glafira Galina beschreibt einen stillen Naturmoment, in dem Ruhe, Licht und innere Sammlung zu einer musikalischen Meditation verschmelzen. In zartem A-Dur entfaltet sich eine weit atmende Melodie über ruhigen Klavierwellen – Rachmaninows Kunst der Stille.

Der Vers (Glafira Galina – russisch / deutsche Nachdichtung)

Русский текст:

Здесь хорошо… Взгляни, вдали
огнём горит река;
цветным ковром луга легли,
белеют облака.

Здесь нет людей… Здесь тишина…
Здесь только Бог да я,
цветы, да старая сосна,
да ты, мечта моя!

Deutsche Nachdichtung:

Hier ist es schön – sieh dort im Weiten
das Feuer fließt im Strom.
Die Wiesen liegen wie bunte Teppiche,
und Wolken glänzen fromm.

Hier ist kein Mensch, nur Stille rings –
nur Gott und ich allein,
die Blumen, eine alte Kiefer –
und du, mein Traum, mein Heim.

Text: Glafira Galina (1848–1918); freie deutsche Übertragung nach dem russischen Original. Komposition von Sergei Rachmaninow (1902).

Werkdaten & Überblick

  • Komponist: Sergei Rachmaninow (1873–1943)
  • Zyklus: 12 Romanzen op. 21 – Nr. 7 „Здесь хорошо“ / „Hier ist es schön“
  • Textvorlage: Glafira Galina
  • Komposition: 1902 in Moskau – Erstdruck 1903 bei Gutheil
  • Tonart / Takt / Tempo: A-Dur, 3/4, Andante tranquillo
  • Dauer: ca. 2–3 Minuten
  • Besetzung: Singstimme und Klavier (Transpositionen gängig)
  • Form: zweistrophige Durchkomposition mit ruhigem Spannungsbogen

Entstehung & Kontext

Rachmaninow komponierte die 12 Romanzen op. 21 1902 parallel zu seiner zweiten Klaviersonate. Das Lied „Hier ist es schön“ steht in der zweiten Hälfte des Zyklus und verkörpert reine Naturruhe. Die Dichtung Glafira Galinas passt zu Rachmaninows Hang zum Kontemplativen: Natur als Ort des Göttlichen und der inneren Rückkehr.

Aufführungspraxis & Rezeption

Gesang: Zarte Legato-Linie mit fließendem Atem; das Forte nur in emotionalen Wellen. Keine Operngeste, sondern innere Sprache.

Klavier: Sanft arpeggierte Begleitung – Lichtschimmer statt Akkordteppich. Pedal sehr differenziert nutzen („Atem im Ton“).

Rezeption: Eines der meistaufgeführten Lieder Rachmaninows und häufig in Konzertprogrammen – auch in Klaviertranskriptionen (z. B. Volodos).

Referenzaufnahmen (Auswahl)

  • Dmitri Hvorostovsky / Ivari Ilja
  • Anna Netrebko / Daniel Barenboim
  • Sergei Leiferkus / Malcolm Martineau
  • Instrumentalfassung: Arcadi Volodos (Transkription)

Analyse – Musik

Das Lied steht auf ruhigen 3/4-Arpeggien im Klavier, die einen sanften Fluss erzeugen. Darüber spannt sich eine melodische Linie mit weiter Atemführung und langen Sekundschritten. Die Harmonik arbeitet mit weichen Medianten (A-Dur ↔ Fis-Dur ↔ H-Dur) und vermeidet jede Spannungsaufladung. Der Schluss verhallt in reiner Dur-Klarheit – ein leuchtendes „Hier ist es schön“.

Analyse – Dichtung

Galinas Gedicht beschreibt keinen Handlungsort, sondern einen Zustand der Stille. „Hier ist es schön“ meint nicht Naturidylle, sondern Seinsruhe. Rachmaninow macht daraus eine Musik ohne Weg und Ziel – ein Verweilen im Augenblick.

Aussage & Wirkung

„Hier ist es schön“ ist eine der reinsten Klangmeditationen Rachmaninows. Es vereint seine lyrische Naturerfahrung mit innerer Andacht und zeigt eine Seltenheit im frühen 20. Jahrhundert: Stille als Kern des Schönen.

Evgenia Fölsche – Aufführungen & Audio

Evgenia Fölsche interpretiert das Lied mit schwebendem Tempo und transparentem Pedal: die Stimme fließt über den Tönen, als würde sie mit dem Licht atmen. So entsteht reine Klangruhe ohne Pathos.

Hörbeispiel: Audio/Video-Link hier ergänzen

FAQ – Rachmaninow: „Hier ist es schön“ („Здесь хорошо“) Op. 21 Nr. 7

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Zu welchem Zyklus gehört das Lied?

Zum Zyklus 12 Romanzen op. 21 (1902). Es ist die siebte Nummer und eine der berühmtesten Romanzen Rachmaninows.

Welche Tonart und Stimmung prägen das Lied?

A-Dur, Andante tranquillo; eine lichte, innige Ruhe ohne dramatische Spannung.

Was zeichnet die Aufführung besonders aus?

Balance zwischen Ruhe und Atmung: die Stimme fließt über dem sanft bewegten Klavier. Keine Rhetorik – reine Klangpräsenz.