Franz Schubert - Das Klavierlied
Franz Schubert (1797–1828) ist die Quelle des deutschsprachigen Kunstlieds im 19. Jahrhundert: Er macht Sprache zu Melodie, Innenleben zu Klang, das Klavier zum miterzählenden Raum. Über 600 Lieder bilden eine erstaunliche Vielfalt – vom volksliednahen Ton bis zum dramatischen Monodrama, vom strophischen Lied bis zur radikal durchkomponierten Szene. Im Zentrum stehen die drei großen Zyklen – Die schöne Müllerin, Winterreise und Schwanengesang – alle auf dieser Website mit Unterseiten zu den einzelnen Liedern.
Inhaltsverzeichnis
Komponistenprofil & Ästhetik
Schuberts Liedsprache ist sprechmelodisch: Prosodie formt die Linie, das Klavier zeichnet Topografien (Bach, Wind, Spinnrad, Herzschlag). Typisch sind Motiv-Topoi (Wasser, Wandern, Nacht), feinste Farbwechsel (Parallel-/Mediantbeziehungen) und die Freiheit, zwischen strophischer Wiederkehr und durchkomponiertem Erzählfluss zu wählen. So entsteht Psychologie in Echtzeit – das Lied als kleine Bühne.
Werklandschaft – Zyklen & Gruppen
- Zyklen (zentral): Die schöne Müllerin (Müller) – Jugend- und Obsessionserzählung; Winterreise (Müller) – innere Wanderung; Schwanengesang (Rellstab/Heine/Seidl) – spätes Album von Ferne & Identität.
- Einzellieder & lose Gruppen (Auswahl): Gretchen am Spinnrade, Erlkönig, Ganymed, An die Musik, Ellens Gesänge („Ave Maria“) u. a. – Schubert als Erfinder des dramatischen Liedmoments.
- Textwelten: Goethe, Schiller, Heine, Müller, Mayrhofer, Seidl u. v. m. – vom klassischen Duktus bis zur romantischen Nacht.
- Formen: Strophik (mit/ohne Variation) ↔ Durchkomposition; Rezitativ-Passagen; Arioso – stets im Dienst der Dichtung.
Ausgewählte Klavierlieder: Der Musensohn (Op. 92/1, D 764) · An die Nachtigall (Op. 98/1, D 497) · Die Forelle (Op. 32, D 550) · Gretchen am Spinnrade (Op. 2, D 118) · Am See (D 746) · Nacht und Träume (Op. 43/2, D 827) · Auf dem Wasser zu singen (Op. 72, D 774)
Fokus: Die drei großen Zyklen
Die drei Sammelpunkte auf dieser Website bieten Text, Werkdaten, Analysen, Aufführungshinweise und FAQs – mit Unterseiten zu allen Liedern:
Die schöne Müllerin
Müllers Bächlein-Erzählung (20 Lieder): vom Aufbruch zur Obsession – Wasser als Motor und Spiegel.
Winterreise
24 Stationen innerer Wanderschaft: Kälte legt die Wunde frei – Diagnose statt Heilung.
Schwanengesang
Posthumer Liederband (Rellstab/Heine/Seidl): Ferne, Bild, Identität – ein spätes Album.
Aufführungspraxis – Interpretation & Klavierpart
- Text vorn: Konsonanten präzise, Vokale tragfähig; legato parlando statt heroischer Druck. Schubert ist Sprechen im Gesang.
- Agogik & Atem: Mikrobewegungen an Sinnwörtern; Nachlassen formt oft die Pointe. Tempo atmet mit dem Text, nicht mit dem Metronom.
- Klavier: Partner und Bühnenbild zugleich – Wasserfiguren, Spinnrad-Motorik, Block-/Flächenklänge; Pedal transparent, innere Stimmen lesen.
- Programmierung: Kontraste kuratieren (hell/dunkel, Fluss/Statik); Zyklen als Dramaturgie begreifen. Transpositionen sind Mittel – Charakterfarben müssen bleiben.
Hören & Aufnahmen (Auswahl)
- Die schöne Müllerin: Fritz Wunderlich / Hubert Giesen · Ian Bostridge / Graham Johnson · Christian Gerhaher / Gerold Huber.
- Winterreise: Dietrich Fischer-Dieskau / Gerald Moore · Peter Pears / Benjamin Britten · Matthias Goerne / Christoph Eschenbach.
- Schwanengesang: Elisabeth Schwarzkopf & Dietrich Fischer-Dieskau / Gerald Moore · Christoph Prégardien / Michael Gees · Jonas Kaufmann / Helmut Deutsch.
- Einzellieder: Elly Ameling / Dalton Baldwin · Brigitte Fassbaender / Aribert Reimann · Andrè Schuen / Daniel Heide.
FAQ – Franz Schubert & seine Klavierlieder
Klicken Sie auf eine Frage, um die Antwort einzublenden.
Was macht Schuberts Liedstil unverwechselbar?
Die Textdurchdringung (Prosodie = Melodie), die Rollen des Klaviers als Erzähler/Raum und die Freiheit zwischen strophisch und durchkomponiert. Motive (Wasser, Wandern, Nacht) tragen Bedeutung, nicht Dekor.
Mit welchem Zyklus beginnen?
Für den Einstieg ist Die schöne Müllerin ideal (erzählerischer Fluss). Wer die maximale Intensität sucht, wählt die Winterreise. Schwanengesang zeigt die späte Vielfalt.
Braucht Schubert „große Stimmen“?
Nein. Wichtiger sind tragfähige Sprache, dynamische Feinabstufung und klangliche Durchhörbarkeit. Das Klavier ist gleichberechtigter Partner.
Wie finde ich Analysen zu einzelnen Liedern?
Über die Zyklus-Übersichten – jede hat ein Menü mit Unterseiten zu allen Liedern: Müllerin, Winterreise, Schwanengesang.