Italienisches Liederbuch I - Man sagt mir, deine Mutter woll`es nicht

„Man sagt mir, deine Mutter woll’ es nicht“ ist eine scharf umrissene Miniatur aus Hugo Wolfs Italienischem Liederbuch (nach Volkslied-Übertragungen von Paul Heyse / Emanuel Geibel). Der Text kontert ein Verbot der Schwiegermutter in spe mit trotziger Liebeslogik: „Tu’s ihr zum Trotz, komm öfter als bisher!“ Wolf formt daraus sprechnahe Deklamation mit elastischem Puls und einer trocken gesetzten Schlussvolte.

Der Vers (Italienisches Liederbuch – dt. Nachdichtung)

Quelle: Paul Heyse (nach einem italienischen Volkslied) – moderne Orthographie

Man sagt mir, deine Mutter wolle es nicht;
So bleibe weg, mein Schatz, tu ihr den Willen.
Ach Liebster, nein! Tu ihr den Willen nicht,
Besuch mich doch, tu’s ihr zum Trotz, im Stillen!
Nein, mein Geliebter, folg’ ihr nimmermehr,
Tu’s ihr zum Trotz, komm öfter als bisher!
Nein, höre nicht auf sie, was sie auch sage;
Tu’s ihr zum Trotz, mein Lieb, komm all Tage!

Werkdaten & Überblick

  • Komponist: Hugo Wolf (1860–1903)
  • Werk: Italienisches Liederbuch, Heft I (in vielen Ausgaben Nr. 7; in Gesamtzählungen teils Nr. 21)
  • Textvorlage: Italienisches Volkslied in dt. Nachdichtung von Paul Heyse / Emanuel Geibel
  • Tonraum / Notation: helles, bewegtes Feld; syllabische Sprachlinie mit kurzen Akzentspitzen
  • Tempoangaben: Bewegt, sprechend; elastischer Puls, trockene Pointe
  • Dauer: ca. 1 Minute; straffe Abweisungs-/Widerrede-Miniatur
  • Besetzung: Singstimme (Transpositionen üblich) und Klavier
  • Form: 8-zeiliger rispetto; musikalisch knapp durchkomponiert mit Kehrvers-Gestus („Tu’s ihr zum Trotz …“)

Daten zum Vers

  • Strophenform: 1 Strophe à 8 Verse
  • Reimschema: respektotypisch (paar-/kreuzreimnahe Anlage)
  • Stilmittel: Imperative („Tu’s …“), Anaphern, antithetische Pointe (Verbot ↔ Trotz)

Entstehung & Kontexte

Heft I (1890/91) bündelt Liebes-, Preis- und Witzminiaturen. „Man sagt mir, deine Mutter woll’ es nicht“ steht auf der schlagfertigen Seite: Gesellschaftsnorm trifft Liebestrotz – Wolfs Musik hält das lakonisch und textzentriert.

Die Pointe: Aus der überbrachten Nachricht („Man sagt mir …“) wird eine aktive Handlungsmaxime („komm alle Tage“) – die Musik spiegelt diesen Dreh mit scharf gezogener Akzentik.

Aufführungspraxis & Rezeption

Klangidee: mp–mf, Text vorn, Konsonanten präzise. Klavier schlank und federnd, Pedal sparsam. Kehrvers („Tu’s ihr zum Trotz …“) nicht „brüllen“, sondern trocken-entschlossen platzieren – die Ironie wirkt aus der Understatement-Kante.

Referenzaufnahmen (Auswahl)

  • Edith Mathis – Karl Engel
  • Diana Damrau – Helmut Deutsch
  • Christian Gerhaher – Gerold Huber
  • Julia Kleiter – Christoph Prégardien (Wechselbesetzungen)
  • Elisabeth Schwarzkopf – Gerald Moore

Analyse – Musik

Widerrede & Deklamation

Die Wiederholungsformeln („Tu’s ihr zum Trotz …“) bekommen kurze Akzentkämme; Fragen/Behauptungen am Anfang sind rhythmisch leicht vorgezogen. Die Linie bleibt syllabisch – die semantischen „Drehwörter“ erhalten Mikrodynamik.

Form, Refrain & Schlussrahmung

Der Kehrvers strukturiert die Miniatur; kleine harmonische Verschiebungen färben „Verbot“ vs. „Trotz“. Am Schluss bündelt Wolf den Gestus in einer trockenen Rahmung – kein ausgedehntes Nachspiel, sondern Klartext.

Analyse – Dichtung

Rhetorische Bewegung: Nachricht → Widerspruch → Maxime. Das Volkslied-Prinzip der Zuspitzung (Anaphern/Imperative) erzeugt Witz und Schlagkraft – Wolf liest das als urbane Widerrede ohne Pathos.

Aussage & Wirkung

Ein kurzer Sieg der Liebes-Pragmatik über soziale Vorgaben: klar, knapp, effektiv. Im Liederabend ideal als Kontrastpunkt zu lyrischen Nummern des Hefts.

Evgenia Fölsche – Aufführungen & Audio

Pianistin Evgenia Fölsche zeichnet den Trotz mit leichtem Puls und präziser Diktion; das Klavier bleibt transparent. Der Kehrvers tritt als freundliche, aber unmissverständliche Setzung hervor.

Man sagt mir, deine Mutter woll’ es nicht

Hinweis:
Die Lieder des Italienischen Liederbuchs werde ich im Rahmen des Festival der Stimmen Liechtenstein 2026 aufführen.

Gemeinsam mit den herausragenden Sänger*innen Katharina Ruckgaber und Johannes Kammler gestalte ich einen Liederabend, der die ganze Tiefe und Leuchtkraft dieses Zyklus entfaltet.

👉 Zum Konzert „Italienisches Liederbuch“ beim Festival der Stimmen 2026

Hörbeispiele:

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Häufige Fragen zu „Man sagt mir, deine Mutter woll’ es nicht“

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Welche Nummer hat das Lied im Italienischen Liederbuch?

Heft I; je nach Ausgabe Nr. 7 (in Gesamtzählungen teils als Nr. 21 geführt).

Wie schnell und wie laut?

Bewegt, sprechend; Grunddynamik mp–mf, kurze Akzentspitzen; Schluss trocken, ohne Pathos.

Welche Stimmlagen sind üblich?

Alle Lagen via Transposition möglich; entscheidend sind Textpräzision und elastischer Puls (sprechnahe Linie).

Was ist die Pointe des Textes?

Das elterliche Verbot wird in Liebes-Trotz gewendet – der Kehrvers („Tu’s ihr zum Trotz …“) ist die Handlungsmaxime.