Italienisches Liederbuch I - Du denkst, mit einem Fädchen mich zu fangen
- Das italienische Liederbuch – Auch kleine Dinge können uns entzücken
- Das italienische Liederbuch I – Mir ward gesagt, du reisest in die Ferne
- Das italienische Liederbuch I – Ihr seid die Allerschönste
- Das italienische Liederbuch I – Gesegnet sei, durch den die Welt entstund
- Das italienische Liederbuch I – Selig ihr Blinden
- Das italienische Liederbuch I – Wer rief dich denn?
- Das italienische Liederbuch I – Der Mond hat eine schwere Klag’ erhoben
- Das italienische Liederbuch I – Nun laß uns Frieden schließen
- Das italienische Liederbuch I – Daß doch gemalt all’ deine Reize wären
- Das italienische Liederbuch I – Du denkst, mit einem Fädchen mich zu fangen
- Das italienische Liederbuch I – Wie lange schon war immer mein Verlangen
- Das italienische Liederbuch I – Nein, junger Herr!
- Das italienische Liederbuch I – Hoffärtig seid ihr, schönes Kind
- Das italienische Liederbuch I – Geselle, woll’n wir uns in Kutten hüllen
- Das italienische Liederbuch I – Mein Liebster ist so klein
- Das italienische Liederbuch I – Ihr jungen Leute
- Das italienische Liederbuch I – Und willst du deinen Liebsten sterben sehen
- Das italienische Liederbuch I – Heb’ auf dein blondes Haupt
- Das italienische Liederbuch I – Wir haben beide lange Zeit geschwiegen
- Das italienische Liederbuch I – Mein Liebster singt am Haus
- Das italienische Liederbuch I – Man sagt mir, deine Mutter woll’ es nicht
- Das italienische Liederbuch I – Ein Ständchen Euch zu bringen
„Du denkst, mit einem Fädchen mich zu fangen“ ist eine spitzfindig-witzige Abwehrnummer aus Hugo Wolfs Italienischem Liederbuch (nach Volkslied-Übertragungen von Paul Heyse / Emanuel Geibel). Das lyrische Ich durchschaut die kleine List der Werbung und kontert mit Eleganz, Ironie und klarer Selbstbehauptung. Wolf setzt das als urbane Sprechmusik mit federndem Puls, kleinen Akzentspitzen und trockener Schlusswendung.
Inhaltsverzeichnis
Der Vers (Italienisches Liederbuch – dt. Nachdichtung)
Quelle: Paul Heyse (nach einem italienischen Volkslied) – moderne Orthographie
[Vollständigen Gedichttext hier einfügen]
Werkdaten & Überblick
- Komponist: Hugo Wolf (1860–1903)
- Werk: Italienisches Liederbuch, Heft I (Nummer je nach Ausgabe)
- Textvorlage: Italienisches Volkslied in dt. Nachdichtung von Paul Heyse / Emanuel Geibel
- Tonraum / Notation: hell-bewegtes Feld; syllabische Sprachlinie mit pointierten Akzenten („Fädchen“, „fangen“, „frei“ u. ä.)
- Tempoangaben: Bewegt, sprechend; elastischer Puls, kurze Zuspitzungen
- Dauer: ca. 1 Minute; straffe Charakterminiatur
- Besetzung: Singstimme (Transpositionen üblich) und Klavier
- Form: 8-zeilige Kurzform (rispetto-Charakter); musikalisch knapp durchkomponiert, trockene Schlusswendung
Daten zum Vers
- Strophenform: 1 Strophe à 8 Verse
- Reimschema: volksliednah (paar-/kreuzreimnahe Anlage)
- Stilmittel: Metapher (Faden/Fessel), direkte Anrede, Ironie, Pointe (Unfängbarkeit)
Entstehung & Kontexte
Heft I (1890/91) vereint urbane Miniaturen der Liebe – zwischen Witz, Abweisung und Innigkeit. „Du denkst, mit einem Fädchen mich zu fangen“ steht auf der ironisch-gewitzten Seite: Werbespiel wird als amüsanter Versuch entlarvt; Wolfs Musik hält Distanz durch präzisen Sprachrhythmus und Understatement.
Poetische Drehung: Aus dem Bild der Fessel wird ein Freispruch der Selbstbestimmung – leicht, elegant, scharf.
Aufführungspraxis & Rezeption
Klangidee: mp, Text vorn, Konsonanten präzise; Komik entsteht aus Trockenheit, nicht aus Lautstärke. Klavier federnd und schlank, Pedal sparsam. Die Pointe kurz und trocken setzen – dann abblenden.
Referenzaufnahmen (Auswahl)
- Diana Damrau – Helmut Deutsch
- Elisabeth Schwarzkopf – Gerald Moore
- Christian Gerhaher – Gerold Huber
- Ian Bostridge – Julius Drake
- Christiane Karg – Malcolm Martineau
Analyse – Musik
Sprechgestus, Ironie & Drive
Die Auftaktformel („Du denkst …“) ist leicht „vorgeschoben“; kurze Akzente auf Sinnwörtern (Fädchen, fangen, frei/frei sein). Die Stimme bleibt syllabisch; das Klavier liefert stützende, konturierte Figuren – mehr Kontur als Teppich.
Form, Harmonik & Pointe
Kompakte Bogenform: Mini-Steigerung in der Mitte, finale Rücknahme. Helle Harmonik trägt die Ironie; kleine Färbungen markieren die Selbstbehauptung. Schluss: trocken, ohne Nachspiel-Pathos – Lächeln bleibt stehen.
Analyse – Dichtung
Die Faden-Metapher bündelt das Thema Kontrolle versus Freiheit. Volksliedökonomie (klare Verben, direkte Anrede) ermöglicht pointierte Ironie; Wolf spiegelt das mit urbaner Sprechmusik und feinem Timing.
Aussage & Wirkung
Selbstbestimmte Anmut: freundlich, witzig, unbestechlich. Im Liederabend ideal als trockener Kontrast neben innigen Bekenntnisliedern.
Evgenia Fölsche – Aufführungen & Audio
Pianistin Evgenia Fölsche akzentuiert die urbane Balance: elastischer Puls, klare Diktion, transparentes Klavier. Die Pointe sitzt knapp – Komik aus Präzision.
Du denkst, mit einem Fädchen mich zu fangen
Hinweis:
Die Lieder des Italienischen Liederbuchs werde ich im Rahmen des
Festival der Stimmen Liechtenstein 2026 aufführen.
Gemeinsam mit den herausragenden Sänger*innen Katharina Ruckgaber und Johannes Kammler gestalte ich einen Liederabend, der die ganze Tiefe und Leuchtkraft dieses Zyklus entfaltet.
👉 Zum Konzert „Italienisches Liederbuch“ beim Festival der Stimmen 2026
Hörbeispiele:
- Irmgard Seefried (mit Erik Werba, Klavier): Aufnahme auf YouTube
- Diana Damrau (mit Helmut Deutsch, Klavier): Live-Aufnahme aus dem „Italienischen Liederbuch“ auf YouTube
Häufige Fragen zu „Du denkst, mit einem Fädchen mich zu fangen“
Klicken Sie auf eine Frage, um die Antwort einzublenden.
Aus welchem Teil des Italienischen Liederbuchs stammt das Lied?
Aus Heft I (1890/91); die genaue Nummerierung variiert je nach Ausgabe.
Wie schnell und wie laut?
Bewegt, sprechend; Grunddynamik mp, kurze Akzente; Pointe trocken, nicht „ausspielen“.
Welche Stimmlagen sind üblich?
Alle Lagen via Transposition; entscheidend sind Textpräzision, Ironiesinn und elastischer Puls.
Was ist der inhaltliche Kern?
Die höfliche, aber klare Absage an Vereinnahmung: Die „Fessel“ bleibt Fädchen – und reißt an der Selbstbestimmung.