Italienisches Liederbuch I - Daß doch gemalt all’ deine Reize wären

„Dass doch gemalt all deine Reize wären“ ist ein schwärmerisches Preis- und Blicklied aus Hugo Wolfs Italienischem Liederbuch (nach Volkslied-Übertragungen von Paul Heyse / Emanuel Geibel). Der Text träumt davon, die Schönheit der Geliebten in einem Bild festzuhalten – zwischen spielerischer Überhöhung und ehrlicher Bewunderung. Wolf zeichnet das als leichtes Cantabile mit sprechnahem Anfang, kleinen Aufschwüngen und einer zart leuchtenden Schlussruhe.

Der Vers (Italienisches Liederbuch – dt. Nachdichtung)

Quelle: Paul Heyse / Emanuel Geibel (nach einem italienischen Volkslied) – moderne Orthographie

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Werkdaten & Überblick

  • Komponist: Hugo Wolf (1860–1903)
  • Werk: Italienisches Liederbuch, Heft I (Nummer je nach Ausgabe)
  • Textvorlage: Italienisches Volkslied in deutscher Nachdichtung von Paul Heyse / Emanuel Geibel
  • Tonraum / Notation: hell-lyrisches Feld; sprechnahe Eröffnung, dann kantables Aufblühen
  • Tempoangaben: Ruhig bewegt, cantabile; Atem führt, leichte Agogik
  • Dauer: ca. 1½–2 Minuten; kurzes Preislied
  • Besetzung: Singstimme (Transpositionen üblich) und Klavier
  • Form: zweiteilig empfundene Kurzform (Sprechgestus → Cantabile) mit weich dimmendem Schluss

Daten zum Vers

  • Strophenform: ein Strophenblock (8 Verse) – volksliednah
  • Reimschema: Paar-/Kreuzreim-Nähe mit Varianten
  • Stilmittel: Bild-/Malereimetaphorik, Hyperbel, direkte Anrede, Schlussfokus auf „Bild“/„Blick“

Entstehung & Kontexte

Heft I (1890/91) bündelt Wolfs Kunst der Psychologie im Kleinen. „Dass doch gemalt all deine Reize wären“ steht auf der preisenden Seite: Liebe wird als Anschauung und Bild gedacht. Wolf reagiert mit elegantem Cantabile und farbigen, doch kammermusikalisch schlanken Harmonien.

Die Pointe ist unprätentiös: Nicht die große Hymne, sondern das intime Festhalten eines Blicks.

Aufführungspraxis & Rezeption

Klangidee: p–mp, Text vorn, Legato geschmeidig, aber transparent. Klavier als atmender Partner (feine Binnenstimmen, Pedal kontrolliert). Höhepunkte nicht „krönen“, sondern aufleuchten lassen; Schluss warm dimmen.

Referenzaufnahmen (Auswahl)

  • Elisabeth Schwarzkopf – Gerald Moore
  • Barbara Bonney – Geoffrey Parsons
  • Diana Damrau – Helmut Deutsch
  • Christian Gerhaher – Gerold Huber
  • Ian Bostridge – Julius Drake

Analyse – Musik

Blickgesang & Cantabile

Die Wunschformel („Dass doch gemalt …“) klingt sprechnahe; mit der Ausmalung der „Reize“ öffnet sich ein weich geführtes Cantabile. Mikrodynamik ruht auf Schlüsselwörtern (gemalt/Reize/Bild/Blick) – Vokale schlank, Konsonanten fein gesetzt.

Form, Harmonik & Schlusslicht

Kurzer Bogen Ansprache → Aufhellung → Ruhe. Helle Harmonik bei der Preisung; kleine Färbungen verleihen Tiefe. Schluss: kurzes Aufleuchten, dann ruhiges Abblenden – kein opernhaftes Nachspiel.

Analyse – Dichtung

Die Malereimetapher verbindet Liebe und „Bewahren“. Volksliedökonomie (klare Verben, direkte Rede) hält Pathos in Grenzen; der Zauber entsteht aus der Konkretion des Bildes – Wolf bewahrt diese Delikatesse.

Aussage & Wirkung

Ein stilles Preislied des Blicks: elegant, hell, zart. Ideal als lyrischer Ruhepunkt zwischen witzigen oder brillanten Nummern des Hefts.

Evgenia Fölsche – Aufführungen & Audio

Pianistin Evgenia Fölsche liest die Miniatur als Blick in Klang: ruhiger Atem, fein schattiertes Cantabile, transparentes Klavier. Der Schluss bleibt innig – das „Bild“ steht im Raum.

Daß doch gemalt all’ deine Reize wären

Hinweis:
Die Lieder des Italienischen Liederbuchs werde ich im Rahmen des Festival der Stimmen Liechtenstein 2026 aufführen.

Gemeinsam mit den herausragenden Sänger*innen Katharina Ruckgaber und Johannes Kammler gestalte ich einen Liederabend, der die ganze Tiefe und Leuchtkraft dieses Zyklus entfaltet.

👉 Zum Konzert „Italienisches Liederbuch“ beim Festival der Stimmen 2026

Hörbeispiel:

Kontakt für Konzert-/Programmanfragen

Häufige Fragen zu „Dass doch gemalt all deine Reize wären“

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Aus welchem Teil des Italienischen Liederbuchs stammt das Lied?

Aus Heft I (1890/91); die genaue Nummerierung variiert je nach Ausgabe.

Wie schnell und wie laut?

Ruhig bewegt, cantabile; Grunddynamik p–mp, zartes Aufleuchten, Schluss in Ruhe.

Welche Stimmlagen sind geeignet?

Alle Lagen via Transposition; entscheidend sind Textnähe, ruhiges Legato und feine Agogik.

Was ist der poetische Kern?

Die Sehnsucht, Schönheit festzuhalten – als Bild. Der Text preist ohne Pathos; Wolf antwortet mit delikater Lyrik.