Die vollkommen unbekannte schöne Müllerin – Prolog und Epilog

Autorin: Evgenia Fölsche

Mit dem Prolog und dem Epilog („Der Dichter“) rahmt :contentReference[oaicite:0]{index=0} seinen Gedichtzyklus Die schöne Müllerin ausdrücklich als poetische Konstruktion. Der Dichter tritt selbst auf, kommentiert, lenkt und relativiert – und macht damit von Anfang an klar, dass die folgende Geschichte nicht als unmittelbares Bekenntnis, sondern als gestaltete Erzählung zu lesen ist.

Prolog & Epilog – Textüberblick

Sowohl im Prolog als auch im Epilog tritt explizit „der Dichter“ auf. Er spricht nicht als Figur der Handlung, sondern als vermittelnde Instanz: Er stellt den Müllersburschen vor, entlässt ihn in seine Geschichte – und nimmt ihn am Ende wieder zurück.

Damit wird der Zyklus als Erzählung über eine Figur markiert, nicht als deren unmittelbare Selbstrede.

Funktion des Dichterrahmens

Der Dichterrahmen erfüllt mehrere Funktionen zugleich:

  • Er schafft Distanz zwischen Leser und Figur.
  • Er erlaubt Ironie und leise Brechung.
  • Er signalisiert, dass das Folgende poetische Konstruktion ist.

Der Müllersbursche wird dadurch nicht als Autor seiner Geschichte, sondern als Gegenstand dichterischer Beobachtung eingeführt.

Ironisierung und Distanz

Besonders im Prolog ist der Ton nicht tragisch, sondern leicht, stellenweise augenzwinkernd. Der Dichter weiß mehr als seine Figur – und lässt das den Leser spüren.

Diese Ironisierung wirkt nicht zerstörerisch, sondern ordnend: Sie verhindert eine völlige Identifikation mit dem Müllersburschen und hält dessen Leid in einem erzählerischen Rahmen.

Erzählinstanz: Wer spricht hier?

Mit Prolog und Epilog etabliert Müller eine doppelte Erzählebene:

  • die innere Stimme des Müllersburschen in den Gedichten selbst,
  • die äußere Stimme des Dichters, der Anfang und Ende markiert.

Diese Konstruktion macht deutlich, dass das Geschehen nicht ungebremst ins Absolute kippen soll. Der Dichter behält die Hoheit über Anfang und Schluss.

Wirkung auf den gesamten Zyklus

Der Epilog schließt den Zyklus nicht mit einem inneren Ende der Figur, sondern mit einem poetischen Abschluss. Der Müllersbursche wird gleichsam wieder eingesammelt.

Damit bleibt die Geschichte erzählbar – und wird nicht zum unkontrollierten Selbstzeugnis. Der Leser wird aus der Identifikation gelöst und in eine reflektierende Position zurückgeführt.

Häufige Fragen zu Prolog und Epilog („Der Dichter“)

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Warum rahmt Müller den Zyklus mit einem Dichter?

Um Distanz zu schaffen und deutlich zu machen, dass die Geschichte des Müllersburschen eine literarische Konstruktion ist – nicht unmittelbares Bekenntnis.

Sind Prolog und Epilog Teil der Handlung?

Nein. Sie stehen außerhalb der inneren Handlung und kommentieren sie von außen.

Welche Wirkung hat der Epilog?

Er nimmt die Geschichte zurück in die poetische Ordnung und verhindert, dass das Ende ausschließlich als innerer Zusammenbruch gelesen wird.

Wo finde ich die Texte in zuverlässiger Fassung?

Gute Textfassungen finden sich u. a. bei Wikisource, im Deutschen Textarchiv sowie in kritischen Müller-Ausgaben.